Grundlegende Entscheidungen in der Schwangerschaft

In meinem direkten Umfeld war niemand, den_die ich kannte schwanger. Ich konnte vielen von den neuesten Entwicklungen, wie neue Ultraschallbilder, Wachstum des Zellhaufens etc. erzählen und ich hatte auch das Gefühl, dass dieses mit Interesse verfolgt wurde, aber ich sehnte mich nach einem Austausch mit Menschen, die sich ähnliche Fragen stellten. So tummelte ich mich in einem Forum und war interessiert und genervt gleichzeitig von den Fragen, vor allem aber vom Umgang miteinander, den Vorwürfen, Anmaßungen und Bewertungen. Somit war ich froh von einer mir bekannten Feministin aus einer anderen Stadt zu hören, die auch schwanger war, mit der ich mich dann über Nachrichten austauschen konnte. Besonders gefreut hatte ich mich dann über den blog uterusprojekt, welcher leider bisher nicht weitergeführt wurde. (Am besten gefiel mir der Eintrag zur „Überversorgung von Schwangeren“).

Aber was heißt es nun Feministin zu sein und schwanger? Da es  nach meinem Verständnis beim Feminismus um choices/ Handlungsmöglichkeiten geht, gibt es entsprechend keinen Weg, der besonders feministisch ist oder besonders unfeministisch. Jeder Weg ist legitim, solange die Person für sich entschieden hat, dass dies der beste wäre und die Person das Gefühl hat, Entscheidungen tatsächlich treffen zu können und nicht zu müssen. Gerade was die Themen Schwangerschaft (Verbote, Gebote), Geburt („natürlich“ vs. „unnatürlich“) und die Zeit danach (Stichwort Stillen) angeht, gibt es großen gesellschaftlichen Druck, welchen ich auch nicht immer Stand halten konnte. Zum Beispiel fühlte ich mich stark verunsichert bei einer Veranstaltung mein alkoholfreies Bier zu trinken. Wird mich jemand schräg angucken, weil sie denken, ich betrinke mich? Denn das wäre ja das größte faux-pas und jemand müsste eingreifen, um das ungeborene Leben zu schützen, non? /irony off
Nachfolgend möchte ich einige meiner Schritte skizzieren, die ich in der Schwangerschaft gegangen bin, ohne zu behaupten, dass diese für andere gut wären. Für mich waren sie gut.

Selbstbestimmung bei der Frauenärztin?

Während ich anfangs noch gerne bzw. aufgeregt zu meiner Frauenärztin ging, um zu gesagt zu bekommen, dass noch alles in Ordnung ist, änderte sich das nach der 12. Woche recht schnell. Mich nervten die ständigen Blutabnahmen, dass ich nicht informiert wurde, warum das jetzt wichtig ist und das mir ständig eingeredet wurde, ich müsste noch dieses und jenes nehmen (wie z.B. Vitaminpräparate und OMG ich ernähre mich vegetarisch). Nach dem ersten – wie ich fand völlig unnötigen und verfrühten –  Anschließen an den Wehenschreiber (in der 29. SSW) bin ich nicht mehr hingegangen. Mir wurde nichts erklärt, nicht wielange ich da sitzen sollte, noch warum man das jetzt machen würde. Ich fühlte mich schlecht beraten und dachte, dass dies im Grunde die Vorbereitung aufs Gebären im Krankenhaus sein würde.

Das Geburtshaus und Geburtswünsche

Dort wollte ich aber sowieso nicht hin. Ich meldete mich schon in der 9. SSW im Geburtshaus an und war nicht die erste! Mittlerweile weiß ich, dass es etwas früh war, aber ich konnte mir nichts anderes vorstellen und wollte mir den Platz sichern. Dort konnte ich dann auch viele Vorsorgeuntersuchungen machen lassen. Erst ging ich dort für jede zweite und nach der 29. SSW schließlich für jede Untersuchung hin und habe mich dort ernst genommen gefühlt. Beim Kennenlernen der Hebammen habe ich mich gefragt, wie sehr man seine Hebamme mögen muss. Sollte man das Gefühl haben mit der Person einen Kaffee trinken zu wollen? Oder ist das zu viel verlangt von jemanden, mit der man schließlich professionell zu tun hat und nicht privat. Ich bin mir nicht sicher. Mein Bauchgefühl riet mir dazu noch einmal zu wechseln. Auch wenn ich es problematisch fand, erhöhte Ansprüche an Hebammen zu haben, die noch (unbezahlte) emotionale Arbeit leisten sollten. Natürlich teilt man mit diesen Personen sehr viel und Vertrauen ist wichtig. Aber bisher hatte ich noch nie den Anspruch eines freundschaftlichen Verhältnisses zu einer medizinischen Person. Trotz dieser Gedanken, wollte ich wechseln. In der Reportage „Jeden Tag Geburtstag – Hebammenstress im Krankenhaus“ (ARD) blieb mir ein Satz besonders im Gedächtnis, dass je nach Typ eine Schwangere eine andere Hebamme braucht – eine möchte jemanden, die den Weg_Ton vorgibt, eine andere braucht eher eine ruhige oder einfühlsame Hebamme. Das konnte ich für mich unterschreiben und ich fand schnell heraus, was ich brauchte. Meine Wunschhebamme war schließlich gefunden und als ich mit ihr meine Wünsche zur Geburt besprach, die sich vor allem darum drehten, dass nichts gemacht wird, ohne dass ich gefragt bzw. mindestens informiert werde und ich keine große Geschlechtsverkündung à la „Es ist ein Junge_Mädchen. Herzlichen Glückwunsch!“ möchte, meinte sie, dass dies bei ihr sowieso Standard wäre und nur die nötigsten Untersuchungen gemacht werden würden. Erleichterung! Es wurden eher noch Vorschläge gemacht, die ganz meinem Geschmack trafen, wie die Nabelschnur selber durchzuschneiden (wieso kam ich nicht vorher auf die Idee?) und das Kind selbst aufzunehmen (schöner Blogartikel dazu hier von einer Doula) und mir das Baby nicht von jemanden auf die Brust legen zu lassen.

Der Geburtsvorbereitungskurs

Auf den Geburtsvorbereitungskurs war ich ganz gespannt (wir kamen dem Ereignis Geburt näher – yay). Beim zweiten Partnerabend, Thema Babypflege, durchbrachen wir die Pärchenwelt etwas, indem wir unsere Mitbewohnerin für den Abend mitbrachten. Da sie von Anfang an auch an der Pflege beteiligt sein wollte, machte es nur Sinn, dass sie mitkam. Neugierig beäugt, wurden wir zum Schluss gefragt, von wem sie denn die Schwester sei.

In meiner WG schwanger gewesen zu sein, war insofern schön, da alle mitgefiebert haben und an allen Neuigkeiten interessiert waren. Als der Kindsvater auch mal nicht konnte, fand sich immer jemand, die mit zur Vorsorge wollte oder wir sind auch zu dritt zur Vorsorge bei der Hebamme gegangen.

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