Sorgearbeit (auf)teilen

Das ist wohl das Thema Nummer 1 auf Elternblogs. Besonders bei Paaren, die sich gleichberechtigt nennen wollen (so wie wir). Fand ich „früher“ (vor nicht allzu langer Zeit) 50/50 Modelle besonders spannend, hat sich das mit einem Text von Jochen König geändert.

Das mit dem Stillen

Das Seepferdchen ist erst 5 Monate alt. Wir stehen also noch ziemlich am Anfang dieses Aushandlungsprozesses, welcher sicher stetig im Wandel ist. Dennoch haben wir uns früh über das Thema unterhalten und einige Weichen gestellt. Ein großes Thema war hierbei, ob das Seepferdchen gestillt werden soll oder nicht. Die Vor- und Nachteile, die für uns relevant schienen, konnten wir bei zwei Freundinnen sehen. Diejenige, die nicht (hauptsächlich) stillte, erzählte früh von Freiheiten und dass man sich das Baby gut aufteilen konnte. Das war bei einer anderen Freundin gerade aufgrund des Stillens nicht so gut möglich. Ich gehöre zu den Menschen, die alles was körperlich passiert (inklusive Menstruation, monatlicher Temperaturanstieg/Zervixveränderung, Schwangerschaft etc.) super spannend findet und so wollte ich das mit dem Stillen wenigstens mal probieren. Das meine Brüste ein Baby ernähren können, finde ich schon ziemlich krass! Auch wenn ich wusste, dass die Aufteilung dann nicht mehr so leicht klappen würde. Nun, das Stillen klappte von Anfang an problemlos und als wir nach 4 Monaten die abgepumpte Milch anboten, verschmähte das Seepferdchen die Flasche unter großem Geschrei. Die früh abgestillten Frauen in der Krabbelgruppe schwärmen von Weinabenden und es schwinkt schon ein wenig Neid mit, während ich an meinem alkoholfreien Bier nippe. Meine Zeit wird wieder kommen. Ich bereue es jedenfalls nicht. Für mich ist das Stillen was ganz besonderes, etwas was nur ich für das Seepferdchen machen konnte.

Das liebe Geld

Ich denke, dass die Lebensumstände des Paares am Wichtigsten sind bei der Entscheidung wer wieviel Sorgearbeit übernimmt. Wir zwei sind keine Studis mehr, aber arbeiten auch noch nicht richtig. Ich habe mein Referendariat gerade noch vor der Geburt beendet und der WGPapa hat 3 Monate nach Geburt sein Studium beendet. Wir waren beide also von Geburt an zu Hause. Er lernte noch nebenbei für die Abschlussprüfungen (soviel da eben ging – nicht viel) und ließ seinen Mini-Job (8h) für die ersten drei Monate ruhen.Wir haben unseren Lebensstandard seit der Uni nicht großartig verändert. WG-Miete und Krankenkasse muss bezahlt werden, dann noch Essen. Alles Weitere ist Luxus. Wir haben kein Auto, das Baby hat Stoffwindeln und Muttermilch. Stark vereinfacht ausgedrückt. Der WGPapa würde mir hier widersprechen. Aber im Prinzip brauchen wir nicht sonderlich viel. Da nun aber die Miete doch reinkommen muss, geht der WGPapa nun also 8h die Woche arbeiten. In der Zeit passen Félice und ich beide auf das Baby auf. Das wir das zusammen machen, erleichtert mir das enorm. Sein Vertrag wird zu den Sommerferien auslaufen. Ich bewerbe mich für August, da ich vergleichsweise viel Geld für wenig Stunden erarbeiten kann und auch weil ich Bock drauf habe. Ich konnte mir nie vorstellen lange zu Hause zu bleiben. Besonders die finanzielle Abhängigkeit würde mir zu schaffen machen. Tagsüber haben wir keine strikte Aufteilung, wir gucken wie es passt und wir machen viel zusammen. Unsere Aufteilung bezieht sich auf morgens (6-10 Uhr -> er) und abends (20-24 Uhr ->ich).

Grundsatzfrage: Wer geht arbeiten?

Eine interessante Beobachtung möchte ich noch teilen. Bei der Frage wer zu Hause bleibt und wer arbeiten geht, geht es fast immer um finanzielle Abwägungen (so heißt es zumindest). Da ich schneller studiert habe als der WGPapa und die letzten 1,5 Jahre mein Ref gemacht habe, habe ich sehr viel mehr Elterngeld als er (Mindestwert). Man könnte sagen, dass bei uns die klassischen Rollen umgekehrt sind. Müssten wir dann nicht auch zu der logischen Konsequenz kommen, dass es finanziell am meisten Sinn macht, dass ich arbeiten gehe und der WGPapa zu Hause bleibt?

Komischerweise ist dem nicht so. Ich könnte von meinem Elterngeld gerade so leben, also die oben genannten Fixkosten für mich begleichen. Das Seepferdchen braucht auch nicht mehr als das Kindergeld hergibt. Somit müsste nur der WGPapa ein wenig arbeiten gehen, um sich selber zu versorgen und alle hätten genügend Geld. Aber dann wären wir ja wieder in der traditionellen „Mann geht arbeiten – Frau bleibt zu Hause“ – Aufteilung (die ja nicht generell schlecht sein muss, aber wir hinterfragen das gerne). Ich frage mich, warum nicht mehr dieser ungleichverdienenden Paare zu dem Schluss kommen, dass es Sinn macht, dass die Person, die am meisten Elterngeld bekommt, zu Hause bleibt. Denn, wenn ich jetzt arbeiten gehe, bekomme ich nicht einfach mein relativ gutes Elterngeld weiter, sondern falle zurück auf den Mindestwert von 300€. Im Grund verlieren wir dadurch mehrere Hundert Euro. Oder übersehe ich hier irgendwas?

Ich möchte mich aber nicht damit abfinden, dass wir aus finanzieller Logik in ein altes Rollenmuster fallen und habe vor bald wieder zu arbeiten. Dennoch bringt uns das zusätzlich in die neue Situation, dass dann eine Person das Familieneinkommen verdient und die andere Person vorerst nur die 300€ Mindestbetrag Elterngeld, nach dem Jahr Elterngeld aber nichts, bekommt. Somit würde die arbeitende Person, die andere Person mitversorgen. Was für meine Eltern ganz normal ist, fühlt sich für mich noch komisch an. Wir sind vorher noch nie finanziell füreinander aufgekommen. Was macht das mit uns? Wird sich dadurch was verändern?

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